Bericht: Kameradschaft kennt keine Grenzen


Gesamtwehr, am 14.08.2021 um 14.23 Uhr


Gesamtwehr

Feuerwehrleute spenden 10000 Euro für die Hinterbliebenen der Kameraden, die im Katastrophengebiet umgekommen sind

Ein Bericht der HST von Nicole Theuer

EPPINGEN Groß war die Überraschungbei der Freiwilligen Feuerwehr Eppingen, als Ende vergangener
Woche die Spendenaktion zugunsten der Hinterbliebenen der fünf Wehrleute, die in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ums Leben gekommen waren, zu Ende ging. 10 000 Euro spendeten die Wehrangehörigen aus eigener Tasche.

Solidarität „Wir waren total überwältigt“, gibt Kommandant Thomas Blösch zu, „mit einem solchen Ergebnis hätten wir im Leben nicht gerechnet.“ Insgeheim, gibt Blösch zu, „hatte ich gedacht, dass vielleicht 2500 Euro bis 3000 Euro zusammenkommen.“ Er finde es überwältigend, dass die Kameraden bereit gewesen seien, so viel Geld zu geben. Das zeige aber auch die Wertschätzung und den Zusammenhalt der Feuerwehren untereinander, so Blösch: „Das ist gelebte Solidarität, die nicht danach fragt, welcher Feuerwehr der Kamerad angehört hat.“ Die Idee zu der Spendenaktion kam von Blösch selbst. „Wir haben Bilder für unser Jubiläum im kommenden Jahr gemacht und da habe ich mir gedacht, ich stell einfach mal eine Spendenbox auf, vielleicht wirft der eine oder andere etwas rein.“ Schon vorher, erinnert sich Thorsten Lang, „haben wir darüber diskutiert, ob wir was machen sollen“. Auch er sei angesprochen worden, ob die Eppinger Wehr Sachspenden sammle, erzählt Blösch. „Doch wir haben uns bewusst dagegen entschieden, zumal der Aufruf aus dem Katastrophengebiet kam, doch von Sachspenden abzusehen, da die Lager dort voll sind.“

Kontakt Daher lag es nahe, etwas für die Hinterbliebenen der im Einsatz ums Leben gekommenen Frauen und Männer zu tun. „Die Kameraden sind selbst vom Hochwasser betroffen, haben selbst viel oder alles verloren, haben trotzdem zuhause alles stehen und liegen lassen, um anderen zu helfen und haben dabei ihr Leben verloren“, so Lang. Doch einfach nur Geld an die betroffenen Feuerwehren spenden, das wollten die Eppinger auch nicht. „Ich habe vor der Aktion Kontakt mit den dortigen Kommandanten aufgenommen und gefragt, ob unsere Spende eins zu eins bei den Hinterbliebenen ankommt.“ Erst als die Kollegen dies zusagten, startete die Aktion. Jede Familie bekommt den gleichen Betrag. 8000 Euro gehen nach Rheinland-Pfalz, 2000 Euro nach Nordrhein-Westfalen.

Konto Überwältigt sind Blösch und Lang, dass nicht nur die Spendenbox gefüllt wurde. „Immer öfter haben wir gehört: Mann, ich wollte auch spenden, habe aber kein Geld dabei. Kann ich nicht auch überweisen?“, erinnert sich Lang. „Deshalb hat Thomas eine Rundmail mit den Kontodaten an die Kameraden gesandt.“ Drei, vier Tage nach der Mail, erinnert sich Lang, „habe ich die Kontoauszüge abgeholt und war erstaunt, dass es elf Kontoauszüge waren“. Nach so kurzer Zeit waren so viele Spenden eingegangen.

Abteilungen Es sei egal, wer wie viel gespendet hat, so Lang. „Es waren Kameraden dabei, die das Geld, das sie für die Einsätze im vergangenen Jahr bekommen haben, komplett gespendet haben.“ Was Blösch auch gefällt: „Spenden gingen aus allen Abteilungen ein.“ Es haben Mitglieder der Feuerwehrkapelle genauso gespendet wie Angehörige der Altersmannschaft und der Jugendabteilung. OB Klaus Holaschke drückte den Feuerwehrleuten seine Anerkennung aus: „Dieses Engagement rechne ich hoch an – in diesem speziellen Fall der Freiwilligen Feuerwehr, die mit ihrer Spendenaktion den Hinterbliebenen ein Anker in der Trauerzeit sein kann.“

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